Bau und Gestaltung der Borstei

Bau der Borstei

1922: Bernhard Borst kauft das Gelände (ca. 90.000 qm) an der Dachauer Straße für 18 Mio. Mark als Grund für sein neues Bauvorhaben. Zur Geländebebauung schrieb Borst einen „Ideenwettbewerb" für alle deutschen Architekten aus. Es wurden zwar viele Entwürfe vorgestellt, aber da keiner den Anforderungen entsprach, entwickelte Borst seine eigenen „Ausführungsentwürfe".

Der Bau der Borstei wurde sukzessive mit finanziellen Mitteln des „Ordentlichen Bauprogramms" der Stadt München realisiert.

1924: Anfang der Arbeiten mit den Häusern Pickelstraße 1 und Dachauer Straße 140-140a

1925: Bau der Häuser Pickelstraße 3, 5 und 7

1926: Fertigstellung der Häuser Dachauer Straße 140 a-e

1927: Abschluss der Randbebauung an der Pickel- und Dachauer Straße;

Aufgrund einer Auflage des Stadtrats wird der Architekt Oswald Bieber zu den Planungen hinzugezogen. Die Gestaltung der Treppen, Oberlichtornamente, rückwärtigen Hauseingangstüren und Fensterläden entstanden unter seiner Leitung.

1928: Das erste zentrale Heizkraftwerk in Deutschland entsteht, welches mit einer Turbine Strom für alle betrieblich-technischen Einrichtungen (z.B. Werkstätten, Wäscherei) erzeugt. Die Idee der zentralen Versorgung wurde Wirklichkeit und alle Wohnungen wurden geheizt und mit Warmwasser versorgt. Außerdem konnten durch den Bau des Heizkraftwerkes die Kamine in den Häusern entfallen.

1929: Die Bautätigkeit endet mit dem Bau der letzten 22 Häuser;

Es wurde ein Preisausschreiben zur Namensfindung für die Siedlung durchgeführt, bei dem der mehrfach eingesendete Name „Borstei" ausgewählt wurde.

1952: Borst ließ die Garagenzeile hinter der Pickelstraße 1-7 durch die Baufirma seines Sohnes errichten.

Gestaltung der Borstei

Die einheitlich gestalteten Häuserzeilen mit den hohen, gradlinigen Dächern und den bollwerkartigen Toren und Durchfahrten geben der Siedlung von außen eine fast festungsartige Wirkung. Doch auf den zweiten Blick fallen die Harmonie und die klaren Proportionen der Architektur im Ganzen wie die feine und individuelle Gestaltung im Detail ins Auge. Zwei wichtige Grundsätze von Bernhard Borst bestimmen die Gestaltung der Anlage: oberste Priorität war der Einsatz von hochwertigen Materialien und „das Ästhetische wird nie zum Selbstzweck, sondern geht stets eine Ehe mit dem Praktischen ein":

 

Qualitätder Baumaterialien und Werkstoffe

die Häuser sind komplett aus Ziegeln, Beton wurde nur für Fundamente und Keller verwendet,

die Dachrinnen sind aus Kupfer und die Türeinfassungen aus Marmor,

die Gehwege wurden mit Hartbrandsteinen anstatt der vorgeschriebenen Zementplatten gepflastert,

die Böden in den Wohnungen und Treppenhäusern sind aus slowenischer Eiche.

 

Gestaltungselemente, Details und Verzierungen:

viele Außenfassaden sind in dem kräftigen, repräsentativen „Hamburger Gelb" gestrichen und erholsame Innenhöfe sind in grün gehalten,

die Fassaden sind mit grobem Kalkmörtel verputzt, als Kontrast findet sich feines Dekor in Glattputz über den Türen,

charakteristische Kombinationen von Fenstern mit leicht wirkenden weißen Sprossenfensterläden, die Fenster sind zwei- oder dreisprossig untergliedert, zudem haben die Fensterläden das richtige Größenverhälthis zu den Fenstern und harmonieren durch die proportionalen Abstände zwischen Fenstern und Fensterläden

verschiedenartige Haustüren mit quadratischen und rechteckigen wie schrägen und diagonalen oder waagrechten und senkrechten Formen, über den Türen befinden sich zarte, filigrane Gitter, welche einen Kontrast zu den schweren Türen geben

Treppenhäuser sind nach Borst Räume zum „Sich Begegnen" und wurden somit edel verziert, die Gehwege sind zum Feste feiern und für Gespräche extra breit gestaltet.